Vida. eine kurze Geschichte vom Leben

– Wir sollten etwas Aufregendes machen.
– Wieso das?
– Wenn wir umkommen, wird man davon berichten.

Vida ist Mitte dreißig – und bisher ganz zufrieden. Keine große Karriere, keine Ehe, keine Kinder. Stattdessen ein stilles, selbstbestimmtes Leben irgendwo in Deutschland. Doch als sich plötzlich unerwartete Karrierechancen auftun, eine ungeklärte Beziehung zu einem Freund sie ins Wanken bringt und der Tod einer entfernten Kollegin alles überschattet, gerät ihre innere Balance ins Rutschen.


Je näher die Beerdigung rückt, desto stärker wächst Vidas Besessenheit von der Frage: Reicht das, was sie lebt? Oder hat sie etwas Entscheidendes verpasst? Was wird von ihr in Erinnerung bleiben?
Zwischen gesellschaftlichem Druck und den ganz eigenen Vorstellungen beginnt ein leiser, aber tiefgreifender Konflikt.


Eine feinfühlige, überraschend leichte Erzählung über Leben, Tod und die Frage, ob ein Leben auch ohne großen Beweis einfach gut sein darf.

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Über die Entstehung des Buchs

„Vida. Eine kurze Geschichte vom Leben“ ist – wie auch „In der Stille der Zeit“ – nicht aus einer einzigen Motivation heraus entstanden. Zum einen hat mich – auch aus persönlicher Betroffenheit – die Auseinandersetzung (oder eher: fehlende Auseinandersetzung) unserer Gesellschaft mit dem Thema Tod beschäftigt, angefangen davon, dass in den Zeiten, in denen wir Verluste erleben, die wenigsten Menschen wirklich mit uns darüber sprechen wollen, über abergläubisch motivierte Verhaltensanweisungen – nicht schlecht über Tote reden, nicht hinter Toten hergehen – über althergebrachte Vorstellungen, was nach dem Tod passiert – Vorstellungen von Himmel und Hölle, das Fenster öffnen, um die Seele gehen zu lassen – , bis zur (wissenschaftlichen) Suche nach einem Beweis für die Seele. Das „richtige“ Verhalten bei Beerdigungen scheint zunehmend unsicher zu sein, genauso wie der Umgang mit Trauer, sei es die eigene oder die anderer.

Dazu kommt (zumindest in meiner Wahrnehmung) die immer lauter werdende Erfordernis, ein „gelungenes“ Leben geführt zu haben. Zeit muss gut investiert sein, am besten nachgewiesen durch das Erfüllen einer Bucket-List, und gerade für Frauen wird es (ebenfalls zumindest in meiner Wahrnehmung) immer schwieriger, alle Erwartungen zu erfüllen: Kinder, Beruf (am besten nicht Teilzeit), Freizeit und Abenteuer. Denn auch, wenn unsere Gesellschaft gern vorgibt, fortschrittlicher zu werden, ist sie bei vielen Themen doch stark in alten Mustern verhaftet: Wie werden Menschen, auch hier im Besonderen Frauen, bewertet, die alleinstehend sind? Darf man und frau sich ein Leben ohne Kinder wünschen/ ohne Abenteuer/ ohne Karriere? Wie hoch ist der Rechtfertigungsdruck nach Außen? Und was soll am Ende erinnert werden, einschließlich auch hier wie schon bei „In der Stille der Zeit“ der Frage, wie unterschiedlich diese Erinnerungen sind:

Wenn du dich anders an mich erinnerst, als ich mich selbst sehe, was soll dann bleiben – deine oder meine Sicht?


(Vida. Eine kurze Geschichte vom Leben, S. 78)

Mehrere Besuche im Museum für Sepulkralkultur in Kassel haben mein Interesse sowohl verstärkt als auch erfüllt: Ich habe viel Interessantes über Beerdigungsriten anderer Kulturen erfahren, und auch in Ansätzen Antworten auf die Frage, warum die Bucket-List immer wichtiger wird, erhalten. Die zunehmende Loslösung von religiösen Vorstellungen auch in unserer Gesellschaft (die ich keinesfalls bewerten will!) macht ein erfülltes Leben im „Diesseits“ immer wichtiger, denn ohne die Erwartung eines (unendlich andauernden) Lebens nach dem Tod steigt der Druck, die Zeit hier bestens zu nutzen, immer weiter an.

So wollte ich ein möglichst unsentimentales und auch kritisches, gleichzeitig aber auch durchaus humorvolles Buch über diese Dinge schreiben, was zunächst schwierig erschien, sich aber durch den Tod einer eigentlich fremden Person gut lösen ließ. Vida steht stellvertretend für uns alle, was auch durch den sprechenden Namen (Vida – das Leben) deutlich wird.

Ich habe mich sehr über die bereits jetzt, wo Vida ja erst relativ kurz auf dem Markt ist, vielen Gespräche gefreut, die daraus entstanden sind, dass der Text offensichtlich gelingend zu einer Auseinandersetzung mit diesen Fragen anregt.